Im Januar war ich eine Woche beim Saarländischen Rundfunk, um für den Hörbuchverlag speak low in Co-Produktion mit dem Hessischen Rundfunk , dem Saarländischen Rundfunk , dem Mitteldeutschen Rundfunk und dem Norddeutschen Rundfunk unter der Regie von Harald Krewer meinen Roman „Unser Haus mit Rutsche“ einzusprechen.

Das war eine ganz andere Erfahrung als bei meinen üblichen Sprecherinnen-Jobs, wenn ich fremde Texte vorlese. Und es war auch völlig anders als das Buch zu schreiben. Obwohl ich zu Beginn der Hörbuchaufzeichnung mindestens so fiebrig und verschnupft war wie während nahezu des gesamten Schreibprozeßes – wir mussten den kompletten Anfang wegen verstopfter Nase zum Ende der Woche neu aufzeichnen.
Ich vermute ja, dass ich mich körperlich dagegen sträube, in Vergangenes einzutauchen, dass ich quasi allergisch darauf reagiere, als eine Art Selbstschutz gegen schmerzende Erinnerungen. Beim Schreiben hatte ich das einigermaßen erfolgreich ignorieren können. Meinen fertigen Roman dann aber nicht nur für mich im Stillen zu lesen, sondern, das, was ich geschrieben habe, auszusprechen, die Geschichte vorzutragen, die so nah an meiner eigenen ist – das war ziemlich aufwühlend.
Beim Schreiben des Romans war noch eine gewisse Distanz da gewesen. Ich hatte mich mit dem Finden der passenden Wörter und dem Feilen an Sätzen einigermaßen ablenken können. Das Lesen und Aussprechen dagegen machte das Geschriebene unmittelbar erfahrbar und konkret, es warf mich mit ungeahnter Wucht in meine Kindheit zurück und überrollte mich stellenweise emotional – ausgerechnet bei Passagen, in denen ich vermeintlich leichte und fröhliche Momente schilderte. Bei zwei solcher Stellen überkamen mich einfach die Tränen, ich musste die Aufzeichnung abbrechen und eine Pause einlegen, um mich wieder zu sammeln. Vielleicht lag es daran, dass ich den Roman in der ich-Perspektive verfasst habe. Ihm meine Stimme zu verleihen war, als wäre ich plötzlich wirklich Layla, und sie wiederum ist ja von mir inspiriert, wodurch beim Erzählen ihrer Geschichte mit einem Mal auch all die Erinnerungen an meine eigene Kindheit wieder auflebten. Das war eine sonderbare Erfahrung, irgendwie schräg und völlig unerwartet.
Trotz der intensiven emotionalen Achterbahnfahrt hat mir die Aufzeichnung sehr viel Freude bereitet – weil ich einfach liebend gerne Geschichten erzähle, ganz gleich auf welche Weise. Ausserdem habe ich die Zusammenarbeit mit Harald Krewer sehr geschätzt, der zum einen hochanspruchsvoll war und eine klare Vision hatte, und zum anderen sehr wohlwollend und respektvoll mit mir umgegangen ist.

Das Hörbuch ist seit dem 17. Februar 2026 als Download bei speak low und auf allen üblichen Audio-Plattformen erhältlich. Alternativ ist es überall dort zu streamen, wo es Hörbücher gibt!
Hier geht es zur Hörprobe .



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